Heiligendamm

Heiligendamm: Stichweg ist Geschichte

Heiligendamm. Seit zehn Jahren geistert der „Stichweg“ durch Heiligendamm. Entstanden ist er, als man nach der Eröffnung des Grand Hotels mit Hilfe von Vermittlern die erste Sackgasse verließ, indem man auf einige öffentliche Wege verzichtete. Nur ein Weg sollte quer durch Hotel- und Residenzengelände vom Bahnhof zur Seebrücke führen, man nannte ihn „Stichweg“ und steckte ihn auch ab. Zwar fand er auch Eingang in den B-Plan 25, aber man einigte sich darauf, bis 2010 auf den Bau zu verzichten und wenn das Grand Hotel dann nachweisen könne, dass es ohne öffentliche Wege besser funktioniert und wenn 20% der Perlenkette saniert sind, dann würde man für immer darauf verzichten. Wer also den Stichweg wollte, musste nur beides verhindern. Von da an gingen jedem Antrag lange Diskussionen voraus und in den Sitzungen wurde stundenlang hitzig, laut und unsachlich debattiert. Stadtpräsidenten kamen und gingen, Parteien schrumpften, neue entstanden und vergingen und übrig blieben Einzelbewerber. Zwar einigten sich Stadt und Jagdfeld in der Mediation vor zwei Jahren auf den dauerhaften Verzicht auf den Stichweg, aber er stand im B-Plan und das behinderte das Grand Hotel bei den Plänen, das Severin-Palais baulich zu erweitern und neue Angebote im Außenbereich zu schaffen. Nachdem nach Jagdfeld auch Morzynski sich nicht vom Stichweg als Bedingung oder „Druckmittel“ beeindrucken ließ, sollte die Verwaltung Alternativen suchen, fand aber keine belastbare. Für enttäuschte Investoren ist der Stichweg zum Synonym für die eigenen Erlebnisse geworden und Gäste verstehen nicht, warum man um jeden Preis an einem Weg festhält und damit alles blockiert. Der Preis wäre jetzt gewesen, dass das Grand Hotel die für die Nebensaison wichtigen und darum schon vor Jahren von Experten empfohlenen und von Jagdfeld geplanten, aber durch Insolvenz nicht umgesetzten Erweiterungen nicht hätte umsetzen können. Das Hotel läuft, die ECH saniert – die zweite Villa ist gerichtet, die dritte in Sanierung und zwei weitere Gebäude in Planung. Das wieder zu blockieren, wäre ein hoher Preis. Nicht alle, aber die Mehrheit der anwesenden Stadtvertreter genehmigte den endgültigen Stichweg-Verzicht und sorgte damit für neue bundesweite Positivschlagzeilen.

Martin Dostal

 

7 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Dostal,

    ich verfolge Ihre Publikationen schon über mehrere Jahre mit unterschiedlicher Intensität. Bekannt wurden Sie mir als eine Hofberichterstatter der ECH. Und auch jetzt, nachdem das Ross den Reiter gewechselt hat, vermisse ich bei einem, nach eigener Aussage kritischen “Kenner“ und “Liebhaber“ Heiligendamms eine gewisse distanzierte Kritik. Der Betrachtungswinkel ist bei Ihnen sehr eingeschränkt, meist eindimensional im Interesse von Grand Hotel und ECH, was nicht gleichbedeutend mit den Interessen Doberans, seiner Bürger, Pauschal- und Tagestouristen ist.

    Begründen Sie doch bitte aus Ihrer Sicht die negative Auswirkung eines Stichweges. Bisher konnte die vorgebrachte Begründung von Hotel und ECH nicht überzeugen – auch mangels fundierter Untersuchungen. Bisher gab es nirgends veröffentlichte Erhebungen zu Tages-Touristen, die für Doberan wichtiger sind, als eine 60%ige Auslastungsklientel eines Grand Hotels, welches nicht einmal mehr 5-Sterne besitzt, sich doch mit diesen schmückt und dessen Steuerlasten mehrheitlich dem niedersächsischen resp. hannoveranischen Haushalt zu Gute kommen.

    Zurück zum Stichweg. Mich selbst betrifft diese Problematik nicht. Daß das Hotel seinen Gästen eine gewisse Diskretion und Abtrennung vom öffentlichen Raum als besonders Erlebnis anbieten möchte, ist auch verständlich, sofern nicht der Metzgermeister aus Essen, sondern tatsächliche Personen des öffentlichen Lebens im Hotel logieren. Aktuell werden die Übernachtungen im Grand Hotel verramscht. Ein Besuch des ebenfalls Herrn Morzynski gehörenden “Upstalsboom“ im benachbarten Kühlungsborn ist hier definitiv die bessere Wahl, was sich auch an den Übernachtungszahlen sehr gut ablesen läßt.

    Neben dem Stichweg soll nun auch der Ausbau des Ensembles Severin-Palais realisiert werden. Werden die die Umsetzung wieder teils über 100jährige Buchen des Küstenschutzwaldes gerodet – wie seinerzeit in einer wahrlichen Nacht- und Nebelaktion zum Neubau des “Aus Versehen“ zu hoch geratenen Severin-Palais?!

    Mit der Aufgabe einer direkten (historisch gewachsenen) Verbindung vom Ortszentrum zu Seebrücke und Promenade wird Doberan sich keinen Gefallen tun. Wie ganz Mecklenburg-Vorpommern ist auch Bad Doberan von einem möglichst breit aufgestellten Tourismus abhängig. Börgerende, Kühlungsborn, um zwei Nachbarorte zu nennen, lassen Ihre Gäste keinen 1.400 Meter langen Umweg zur Promenade laufen, unterwegs keinerlei Möglichkeit, vor sich oft ändernder Witterung zu schützen. Auch besitzen diese beiden Orte eine durchgehende Strandpromenade, barrierefreie Strandzugänge und eine barrierefreie Uferbegehung. In Heiligendamm soll de facto ein nach deutscher Gesetzgebung unzulässiger Privatstrand mit privater ebenso rechtsbrechende Privat-Promenade geschaffen werden. Der Unmut von Tagesbesuchern, die an Zäunen und Toren umkehren müssen, ist nicht zu überhören. Dabei wäre die Lösung auch ohne Stichweg so einfach:

    Der stets offene Hotelzugang an der Kühlungsborner Straße, sowie der seeseitige Zugang am Gründungs-Findling werden mit einem Concierge besetzt. Da das Hotel Hausrecht ausübt, kann ein Concierge jederzeit bestimmen, wer den direkten Weg zwischen Ortskern und Strand nutzen darf und wer nicht. Die Akzeptanz für eine, ich sage mal Türsteher-Einlasskontrolle, wie man sie aus Clubs kennt, wäre um ein Vielfaches höher. Und – der für Doberan wichtige Nebeneffekt: Tagestouristen kommen wieder, lassen ggf. Geld im Ort und der Imagewert steigt.

    Bleibt alles beim Alten, wird Doberan immer mit Neid auf die, mit Verlaub, fetten Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft in z.B. Kühlungsborn schauen müssen.

    In diesem Sinne

    mit freundlichen Grüßen

    Ein Leser

     
  2. Sehr geehrter Herr „Ein_Leser“,

    vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar.

    Sie meinen jetzt genau warum die „Interessen Doberans, seiner Bürger, Pauschal- und Tagestouristen“ vertreten zu können, ohne Ihren Klarnamen unter Ihren Kommentar zu setzen?
    Was soll der geneigte „Bürger, Pauschal- oder auch Tagestourist“ denn davon halten?
    Wen genau „konnte die vorgebrachte Begründung von Hotel und ECH – auch mangels fundierter Untersuchungen nicht überzeugen“?

    Fragen über Fragen.

    Gerade wenn man harsche, persönliche Kritik in einer doch recht eigenen Sichtweise (…Hofberichterstatter, …der Betrachtungswinkel ist bei Ihnen sehr eingeschränkt […]) anderen gegenüber übt, sollte es einem der Anstand „mit Verlaub“ ermöglichen, „Ross und Reiter“ klar erkennen zu lassen. Meinen Sie nicht auch?

    Freundliche Grüße aus Bad Doberan
    Frank-Andreas Jütte

     
  3. Sehr geehrter Herr Jütte,

    ohne Umschweife: “… die „Interessen Doberans, seiner Bürger, Pauschal- und Tagestouristen“ vertreten zu können, …“; das habe ich nie gesagt. Die trennen den Kontext auf! Das kritische Meinungsäußerung in heutiger Zeit zuweilen in das platte Schema “Für oder gegen mich“ gedrängt wird, wird leider auch aus Ihrer Einlassung in diesem Lokalblatt sichtbar. Ein konstruktiver Austausch ist offenbar nicht gewünscht. Eine Kommentar-Funktion ersetzen die dann doch besser durch Like or Dislike.

    Augenscheinlich geht es Ihnen auch mehr darum, einen kritischen Betrachter mit unbequemer Argumentation öffentlich zu diskreditieren oder warum bestehen Sie auf einen Klarnamen?

    Ich habe mir eigentlich einen sachbezogenen Austausch mit einem Kenner der Szenerie vorgestellt. Eingegangen auf meine Darlegungen sind Sie bisher nicht.

    Den“Hofberichterstatter“ möchte ich relativieren, sollte es doch “eine Art Hof…“ heißen. Ein Nachteil der Autotastatur von Surface.

    Nur noch soviel: Als Zugezogener Exil-Berliner, der diese langjährigen Provinzpossen als Zaun- und Hotelgast oft mit viel Augenreiben und vor dem Hintergrund der umtriebigen Geschäftspolitik der Jagdfelds, Galeria Lafaette, Pyramide, Adlon, aufmerksam verfolgt hat, wundere ich mich nicht mehr wirklich über das wirtschaftspolitische Handeln der SVV Bad Doberan.

    Sollten Sie sich noch zu einem konstruktiven Austausch entscheiden wollen, wäre ich Ihnen sehr dankbar.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ein Leser

     
    1. Warum glaubt jemand, ohne die Verwendung seines tatsächlichen Namens, ernsthaft mit Lesern, Autoren oder Herausgebern einen konstruktiven Austausch starten zu können? Das erschließt sich mir nicht.
      „Mit Verlaub“: Wer hat schon Zeit und Energie, sich mit einer unsichtbaren Wand auszutauschen?

      Zum Thema:
      Über den Stichweg in Heiligendamm wurde ausführlich jahrelang debattiert, es gibt wohl kaum noch irgendeine Meinung, die nicht veröffentlicht und diskutiert wurde.

      Ist es nicht wunderbar, dass sich Bad Doberan samt demokratisch gewählten Vertreter der Stadtvertreterversammlung nun endlich um die vielen anderen Dinge kümmern kann, die seit Jahren auf Erledigung warten?

      Das kann hier sicher jeder für sich selbst beantworten.

      Abschließend sei erwähnt, dass die Kommentarfunktion natürlich auch weiterhin funktionieren wird, wir aber gern mit dem heutigen Tag eine Bewertungsfunktion hinzugefügt haben, damit alle, die nicht den Mut haben, unter ihren eigenen Namen zu schreiben, ihr Gefallen oder Nichtgefallen kundtun können.

      Mit freundlichen Grüßen
      Frank-Andreas Jütte

       
  4. Sehr geehrter Herr Jütte,

    Namen sind Schall und Rauch. Und daß Doberans Stadtvertreter demokratisch gewählt sind – ist das eine Besonderheit? Auch Berlins Senats legitimiert aus einer demokratischen Wahl. Jedoch bewahrte dieser Umstand nicht vor Millionen schweren Fehlentscheidungen bei Planung, Bauausführung und Auftragsvergabe eines bundesweit Beachtung findenden Großbauprojekts.

    Soweit ich dem Geschehen um Heiligendamm folgen konnte, ist die Herstellung einer touristen- freundlichen Zuwegung nicht die einzige Baustelle in der unendlichen Geschichte um Heiligendamm.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ein Leser

     
  5. „Der Stichweg ist Geschichte“ und das ist gut so! Nun sollte auch der Mantel des Vergessens über dieses unsägliche Dauerthema gelegt werden. Der Ort entwickelt sich weiter. Villa „Perle“ ist fertig und bezogen, die Villa „Greif“ hatte Richtfest, bei der Villa „Möve“ wurde mit der aufwendigen Sanierung begonnen, die Pläne für die weiteren Villen und den Kolonnaden sind fertig und sollen bis 2022 realisiert werden. Ein neues Haus mit Ferienwohnungen ist an Stelle des Golfkaffees errichtet wurden, sogar eine neue Strandversorgung gibt es. Der Ausbau der Parkplätze ist ebenfalls realisiert, auch wenn diese den Ansturm der Urlauber nicht immer genügen.
    Ich bin oft in Heiligendamm und der Sonnenuntergang von der Promenade gesehen ist unvergleichlich. Man kommt mit Urlaubern ins Gespräch und hört oft die Meinung: „Hier ist doch nichts los“. Und dann sage ich: „Und das ist gut so!“ Es muß Orte wie Heiligendamm geben, wo man die Seele baumeln lassen kann.
    Erst allein, dann mit den Kindern und nun mit den Enkeln; Heiligendamm ist und bleibt hoffentlich ein Ort, der einfach schön ist.

    Dr. Michael Giersberg

     
    1. Sehr geehrter Herr Giersberg,

      Ihre Einlassung zu diesem Thema und Ihr „das ist auch gut so“, stehen nicht etwa in Korrelation zu Ihren seit 2004 bestehenden Geschäftsbeziehungen mit der Entwicklungs Compagnie Heiligendamm?! Zumindest Ihre Aufzählung der vielen Weiterentwicklungen des Ortes lesen sich wie die Image-Broschüre der „Privaten Residenzen“. Und den „Mantel des Vergessens“ über eine freie Zugänglichkeit auf historisch gewachsenen Zuwegungen zu legen, erweckt den Eindruck, Heiligendamm soll nun nach und nach zu einer einer Gated Community umgebaut werden – wie einst von Jagdfeld forciert und z. B. in Potsdam mit der ARCADIA-Wohnanlage längst Realität. Der linksseitige Strandabschnitt ist, nach den Sturmschäden am Steg über die Steinpackung unterhalb „Alexandrine“, de facto ein Hotelstrand mit privater Zuwegung.

      Die Entwicklung des Ortes, wie Sie es in so blumigem Hochglanz illustrieren existiert nur auf dem Hotelgelände. Über die Villen sagte einst der Chef-Architekt der ECH, daß es keinen denkmalrechtlich erhaltenswerten Bauzustand gebe, was sich auch in der Streichung aus der Liste der Unteren Denkmalschutzbehörde Doberans widerspiegelt.

      Zu Ihrem Urlauber-Dialog: natürlich muß es Orte wie Heiligendamm geben. Kühlungsborn ist mittlerweile nah an einem „Ballermann“ der Ostseeküste. Da ist natürlich Heiligendamm für so Einige eine Wohltat. Ob das der Kämmerer genauso sieht, mag ich bezweifeln. Denn wie ich bereits im Eingangsposting schrieb, „verdient“ Doberan am Grand Hotel wenig bis gar nichts. Gleiches gilt für die ECH.

      Damit zukünftig Besucher á la Couleur Heiligendamm erleben und genießen können, sollte man an einer Lösung festhalten, die die beiderseitigen Interessen und die Akzeptanz untereinander gleichermaßen berücksichtigen. 1.400 m Umweg zwischen Bahnhof und Promenade zu 200 m Sichtachse – das machen Touristen einmal mit – kein zweites Mal.

       

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