Bad Doberan

Zwanzig Jahre altes Tourismuskonzept soll ersetzt werden

Bad Doberan. Versucht man mal schnell durch die Stadt zu eilen, hat man nicht das Gefühl, sie habe zu wenig Touristen. Doch was sie in den Sommerferien an die Grenzen bringt, fehlt im Rest des Jahres. Angebote gibt es viele, aber jeder kocht – teils gewollt, teils unfreiwillig – sein eigenes Süppchen und nur wenig ist miteinander vernetzt. Das Tourismuskonzept ist 20 Jahre alt und überholt. Versuche, das zu ändern, gab es schon: Studenten der Jade-Hochschule Wilhelmshafen um Prof. Enno Schmoll waren zu Besuch, haben die Stärken und Schwächen analysiert, Schwerpunkte festgelegt und Ideen und Konzepte geliefert. Dabei blieb es und den nächsten Schritt, dem Tourismusexperten den Auftrag zu erteilen, ging man nicht. Stattdessen gab es im Wirtschaftsausschuss den Vorschlag, den Städte- und Gemeindetag zu beauftragen, was ebenfalls nicht passierte. Für Verzögerung sorgte auch die Kündigung der Tourismuschefin Kerstin Morgenroth. Ihre Nachfolgerin Andrea Lang setzte den Kurs fort und ehe die Stadtvertreter sich versahen, war ein Auftrag vergeben. Zu dem nicht sehr transparenten Schritt gibt es verschiedene Meinungen. Die Stadtvertreter haben schon mehrere Konzepte diskutiert, die letztlich alle nicht umgesetzt wurden, sodass man sich nicht wundern muss, wenn die Verwaltung es ohne die Politik versucht. Den Auftrag bekam die ift Tourismus- und Freizeitberatung GmbH mit Sitz in Köln und Potsdam. Sie sagt über sich, seit über 30 Jahren öffentliche Auftraggeber, wie Ministerien, Kommunen, touristische Organisationen auf Landes-, Regions- und Ortsebene sowie privatwirtschaftliche Auftraggeber und Investoren zu beraten. In den Referenzen führt sie Tourismuskonzepte für viele kleinere und mittlere Städte auf, in M-V z. B. Sellin. Manche Orte haben nur eine Sehenswürdigkeit, um die sich alles drehen muss. In Bad Doberan – Heiligendamm liegt die Herausforderung im Gegenteil: Kloster, Residenzstadt und Seebad unter einen Hut zu kriegen. Das Team um Jan-F. Kobernuß will bis zum Jahresende ein marktgerechtes Profil für den Ort finden. Dazu werden nicht nur das Tourismusangebot und die Sehenswürdigkeiten, sondern das ganze Stadtbild analysiert, inklusive Fuß- und Radwegen, Verkehr und Einzelhandel.

Martin Dostal

 

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